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Was ist ein Wutanfall?

Ein Wutanfall ist ein emotionaler Ausbruch von Wut und Frustration und ist kein schöner Anblick. Neben Treten, Schreien oder auf den Boden schlagen kann dein Vorschulkind bei einem Wutanfall auch mit Gegenständen werfen, schlagen oder sogar die Luft anhalten, bis es blau anläuft. (Keine Sorge – irgendwann wird es sich wieder beruhigen, aber sprich mit dem Arzt deines Kindes, wenn das passiert).

Wutausbrüche sind normal und üblich, vor allem bei 2- und 3-Jährigen. Nur Mut – im Alter von 4 Jahren treten sie normalerweise viel seltener auf.

Warum bekommt mein Kind Wutanfälle?

Emotionale Auslöser: Der wahrscheinlichste Grund für einen Wutanfall ist, dass sich dein 2- oder 3-Jähriger emotional überfordert fühlt. Kleinkinder und Vorschulkinder haben alle großen Emotionen – gute und schlechte – wie Erwachsene, aber sie sind noch nicht in der Lage, sie zu verstehen und zu bewältigen. Diese Teile des Gehirns haben sich noch nicht entwickelt. Wutanfälle treten auf, wenn die Gefühle von Frustration, Angst oder Ablehnung zu stark sind, als dass dein Kind sie allein bewältigen könnte.

Ein Wutanfall kann auch durch etwas ausgelöst werden, das dein Kind schon eine Weile beschäftigt. Nehmen wir an, es sieht am Nachmittag ein Bild von einem gruseligen Monster, das es emotional aufregt. Wenn du sie ins Bett bringst, ist sie vielleicht noch aufgeregter als sonst und bekommt einen Wutanfall, der mit der erhöhten Angst vom Vortag zusammenhängt.

Physikalische Auslöser: Müdigkeit, Hunger und Unwohlsein sind häufige Auslöser für Wutanfälle.

Bestärktes Verhalten: Abhängig davon, wie du reagierst, kann dein Kind lernen, dass ein Wutanfall eine Möglichkeit ist, das zu bekommen, was es will. (Siehe “Wann sollte ich einen Wutanfall ignorieren?” unten.)

Wie du mit den Wutausbrüchen deines Kindes umgehen kannst

Mit der Zeit kannst du deinem Kind beibringen, wie es seine Gefühle auf angemessene Weise ausdrücken kann. In der Zwischenzeit kannst du diese Strategien ausprobieren:

  • Lenke dein Kind ab. Das funktioniert besser, bevor es in einen Wutanfall gerät. Du könntest ihm anbieten, etwas zu tun, was ihm Spaß macht (“Möchtest du deine Farben herausholen oder ein Brot backen?”), wenn du siehst, dass seine Frustration wächst.
  • Sprecht leise und beruhigend. Der Tonfall deiner Stimme kann helfen, dein Kind zu beruhigen. Halte deine Worte einfach: “Ich sehe, wie wütend du bist. Ich bin hier, um dir zu helfen, dich zu beruhigen.”
  • Bleibe bei deinem Kind. Der Gefühlssturm, den dein Kind erlebt, kann ihm Angst machen, und es muss wissen, dass du in der Nähe bist. Wenn es den Raum verlässt, kann es sich verlassen fühlen.
  • Biete körperlichen Trost. Gehe leise zu deinem Kind. Wenn es nicht zu sehr zappelt, nimm es hoch und halte es fest. Die Chancen stehen gut, dass es deine Umarmung als tröstlich empfindet und sich schneller beruhigt.
  • Empathisiere. Bringe deinem Kind Bewältigungsstrategien bei, indem du ihm bestätigst, wie schwer es ist, negative Gefühle wie Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit zu empfinden. Du könntest sagen: “Ich weiß, dass du enttäuscht bist, weil du unbedingt in den Park gehen wolltest, aber es regnet zu stark. Hier, lass uns stattdessen drinnen mit diesem Puzzle spielen.”
  • Priorisiere die Sicherheit. Wenn der Ausbruch deines Vorschulkindes so eskaliert, dass es Menschen oder Haustiere schlägt, mit Gegenständen wirft oder ununterbrochen schreit, nimm es auf den Arm und bringe es an einen sicheren Ort, an dem es sich selbst, anderen oder Dingen keinen Schaden zufügen kann. Sag ihm, warum er dort ist (“Weil du deine Schwester geschlagen hast – Schlagen tut weh und ist nicht in Ordnung”), und lass ihn wissen, dass du bei ihm bleibst, bis er sich beruhigt hat. Wenn du dich an einem öffentlichen Ort befindest, sei darauf vorbereitet, mit deinem Kind zu gehen.

Wann sollte ich einen Wutanfall ignorieren?

Wenn dein Kind einen Wutanfall hat, weil es nicht tun will, was du von ihm verlangt hast, oder weil du zu etwas Nein gesagt hast, gib ruhig zu, dass du siehst, dass es eine schwere Zeit hat und dass es nicht mag, was du gesagt hast. Wenn möglich, kannst du dann mit deiner Arbeit fortfahren.

Du könntest z.B. sagen: “Ich sehe, dass du sauer bist, weil ich vor dem Abendessen Nein zu einem Keks gesagt habe. Es ist schwer, zu warten. Sie sehen so gut aus und riechen so lecker. Ich freue mich schon darauf, nach dem Essen einen zu essen. Hier, hilf mir, die Servietten auf den Tisch zu legen.”

Natürlich ist das zu Hause einfacher. Wenn ihr in der Öffentlichkeit seid, müsst ihr euch vielleicht einen Ort suchen, an dem ihr den Sturm abwarten könnt.

Sei vor allem konsequent und fest bei deiner Forderung oder dem Limit, das du setzt. Sonst bringst du deinem Kind bei, dass ein Wutanfall eine gute Möglichkeit ist, seinen Willen durchzusetzen.

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Was du nicht tun solltest, wenn dein Kind einen Wutanfall hat

  • Verliere nicht die Fassung.  Egal, wie wütend du das Verhalten deines Kindes findest, denk daran, dass du der Erwachsene bist. Schrei dein Kind nicht an, ahme es nicht nach und drohe ihm nicht. Ein Wutanfall ist schon beängstigend genug, ohne dass dein Kind das Gefühl hat, dass du dich nicht unter Kontrolle hast.
  • Versuch nicht, mit deinem Kind zu diskutieren. Inmitten eines Wutanfalls ist dein Kind nicht in der Lage, zuzuhören, geschweige denn zu verstehen, was du meinst. Sein Gehirn ist einfach nicht in der Lage, Logik zu verarbeiten.
  • Sage ihr nicht, dass sie überreagiert. Ihm zu sagen, dass es sich nicht aufregen soll, ist nicht hilfreich. Lass ihn stattdessen wissen, dass du verstehst, dass er verärgert ist.
  • Belaste dein Kind nicht. Erkläre deinem Kind nicht, dass sein Wutanfall dich traurig oder wütend macht. Dein Kind braucht diese Verantwortung nicht, und du solltest ihm diese Macht nicht geben.

Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, wenn du das Gefühl hast, mit den Wutanfällen deines Kindes nicht umgehen zu können, oder wenn du dich die meiste Zeit traurig, wütend, ängstlich oder überfordert fühlst.

Was ist zu tun, wenn dein Kleinkind in der Öffentlichkeit einen Wutanfall hat

  • Beseitige es aus der Situation. Hole dein Kind ab und bringe es an einen sicheren Ort. Wenn du das nicht kannst, weil es zu sehr herumfuchtelt, räume den Raum um es herum und entferne alle potenziell gefährlichen Gegenstände, die es werfen, schlagen oder treten könnte.
  • Sorge für die Sicherheit deiner Mitmenschen. Trenne dein Kind von anderen Kindern, z.B. im Park oder bei einer Spielverabredung. Wenn es beißt oder schlägt, musst du ihm klar und deutlich sagen, dass das inakzeptabel ist. Mach ihr klar, dass es niemals in Ordnung ist, andere zu verletzen, auch dich nicht. Sag zum Beispiel: “Ich sehe, dass du wütend bist, aber ich kann nicht zulassen, dass du jemanden verletzt. Lass deine wütenden Gefühle raus, indem du auf und ab springst und wie ein Tiger knurrst.”
  • Gebe nicht nach, um dein Kind zu beruhigen. Wenn dein Kind einen Wutanfall in der Öffentlichkeit hat, ist es besonders verlockend, nachzugeben, um die Episode zu beenden. Egal wie lange der Wutanfall andauert, gib nicht auf unangemessene Forderungen nach oder versuche, dein schreiendes Kind zu bestechen oder mit ihm zu verhandeln. Wenn du nachgibst, lernt dein Kind, dass ein Wutanfall der richtige Weg ist, um zu bekommen, was es will, und legt den Grundstein für zukünftige Verhaltensprobleme. Weiter unten findest du Tipps zum Thema “Wie du einen Wutanfall vermeiden kannst”

Was ist nach dem Wutanfall zu tun

  • Liebevoll sein. Wenn sich der Sturm gelegt hat, umarme ihn. Zeige ihm mit deinen Handlungen, dass du ihn immer noch liebst und für ihn da bist, egal was passiert.
  • Sprecht über das, was passiert ist. Bestätigt mit einfachen Worten die Frustration eures Kindes und helft ihm, seine Gefühle in Worte zu fassen, indem ihr etwas sagt wie: “Du warst wütend, aber ich habe dich nicht verstanden, weil du geschrien hast. Jetzt, wo du dich beruhigt hast, kann ich herausfinden, was du willst.” Lass ihn sehen, dass er bessere Ergebnisse erzielen wird, wenn er sich in Worten ausdrückt.
  • Lob ihn dafür, dass er sich beruhigt hat. Sag deinem Kind, dass es sich gut selbst beruhigt hat.

Was kann ich zu Hause tun, um Wutanfälle zu verhindern (oder zumindest darauf vorzubereiten)

  • Übe sichere Wege, um Dampf abzulassen. Bringe deinem Kind Möglichkeiten bei, wie es starke Gefühle wie Wut ausdrücken kann, z.B. indem es draußen herumläuft, und wie es sich selbst beruhigen kann, z.B. indem es tief durchatmet. Übe diese Aktivitäten in ruhigen Zeiten, damit dein Kind sichere Strategien hat, wenn es sich aufregt.
  • Beschreibe Emotionen. Bringe deinem Kind den Wortschatz bei, den es braucht, um seine Gefühle auszudrücken – gute und schlechte – und nenne Beispiele aus dem echten Leben für dein Kind und andere. Zum Beispiel: “Ich sehe, wie glücklich du und Oma seid, wenn wir euch besuchen” oder “Joe sah wütend aus, weil du seinen Truck genommen hast.”
  • Gib deinem Kind die Möglichkeit, erfolgreich zu sein. Wutanfälle entstehen oft, wenn ein Vorschulkind etwas tun will, was es nicht kann. Zum Beispiel kann sie wahrscheinlich keine Milch aus einer vollen Gallone einschenken, aber vielleicht kann sie es aus einem kleineren Krug tun.
  • Bemerke gutes Verhalten. Achte auf Gelegenheiten, ihr zu sagen, dass sie eine schwierige Situation gut meistert. Sei konkret: “Mir ist aufgefallen, dass du ruhig geblieben bist und tief durchgeatmet hast, als deine Schwester dein Puzzleteil genommen hat.”
  • Biete einen Raum zur Beruhigung an. Verbanne dein Kind nicht zur Strafe für eine Auszeit in sein Zimmer. Sag deinem Kind stattdessen, dass es wieder spielen (oder essen, oder was auch immer es tun möchte) kann, wenn es sich beruhigt hat. Überlege dir, ob du einen Ort zum Beruhigen einrichtest, z. B. einen gemütlichen Stuhl oder eine Ecke mit Decken und Lieblingsbüchern. Bleib in der Nähe, um sie zu trösten und zu beruhigen, während sie versucht, sich selbst zu beruhigen.
  • Lass dein Kind Enttäuschungen erleben. Wenn dein Kind lernt, mit kleineren Enttäuschungen umzugehen und kleinere Probleme selbst zu lösen, bereitet es sich auf spätere größere Herausforderungen vor und baut Resilienz auf.
  • Vorbilden Sie Bewältigungsstrategien. Was tust du, wenn du wütend oder frustriert bist? Neigst du dazu, zu schreien oder ruhig über die Situation zu reden? Wenn du die Beherrschung verlierst, gib es zu und entschuldige dich bei deinem Kind.
  • Setze realistische Erwartungen. Zu lernen, wo du die Messlatte für dein Kind ansetzt – nicht so niedrig, dass es nie gefordert wird, aber auch nicht so hoch, dass es ständig entmutigt wird – ist eine wichtige Erziehungsaufgabe.
  • Überdenke, wie du auf Wutanfälle reagierst. Wenn du neue Erziehungsfähigkeiten erlernst oder eine andere Herangehensweise wählst, kannst du mit den Wutanfällen deines Kindes besser umgehen – und deinem Kind wertvolle Fähigkeiten für den Umgang mit Emotionen vermitteln.
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Wie du den Auslöser für einen Wutanfall vermeidest

Achte darauf, was dein Kind antreibt und plane entsprechend. Zum Beispiel:

  • Sorge dafür, dass es ausreichend Ruhe und Essen bekommt. Wutausbrüche sind häufiger und intensiver, wenn Kinder müde oder hungrig sind. Verstaue Snacks in deiner Tasche oder in deinem Auto, um einem Wutanfall vorzubeugen.
  • Planen Sie Ihre Ausflüge sorgfältig. Versuchen Sie, Ausflüge, die eine größere Herausforderung darstellen, wie z.B. Lebensmitteleinkäufe, auf einen Zeitpunkt zu legen, an dem sich Ihr Kind am wohlsten fühlt – z.B. an einem Wochenendmorgen und nicht nach der Vorschule.
  • Sage ihm Bescheid, bevor du zur nächsten Aktivität übergehst. Wenn du ihm zum Beispiel sagst, wann du den Spielplatz verlässt, kann er sich darauf einstellen, anstatt zu reagieren. Du könntest sagen: “Noch fünf Mal auf die Schaukel drücken und wir gehen nach Hause. Dann zählst du die Stöße herunter und stellst ihn vor die Wahl: “Willst du deinen Pullover auf dem Heimweg anziehen oder nicht?”
  • Habe einen Plan und stelle Erwartungen auf. Bevor du zum Beispiel in den Supermarkt gehst, sag deinem Kind: “Wir werden Lebensmittel für das Abendessen kaufen. Wir kaufen nur das ein, was auf dieser Liste steht. Du kannst mir helfen, alle roten Sachen zu finden – Äpfel, Tomaten und Paprika.” Oder wenn das Verlassen des Parks zu einem Kampf wird, kannst du eine Abfahrtsroutine einführen. Sag: “Denk dran, wenn ich das Signal gebe, ist es Zeit, die letzte Runde auf der Rutsche zu drehen und ins Auto zu steigen, um nach Hause zu fahren.”
  • Biete eine begrenzte Auswahl an. Niemand mag es, wenn man ihm ständig sagt, was er tun soll. Wenn du sagst: “Möchtest du Mais oder Karotten?”, anstatt “Iss deinen Mais”, gibt das deinem Kind ein Gefühl der Kontrolle. Gib ihm aber nicht zu viele Wahlmöglichkeiten auf einmal, sonst fühlt es sich überfordert.
  • Beobachte, wie oft du Nein sagst. Wenn du feststellst, dass du regelmäßig Nein sagst, könnte das für euch beide unnötigen Stress bedeuten. Du könntest ja zu mehr Zeit auf dem Spielplatz sagen, aber nein zu mehr Nachtisch.
  • Wähle deine Schlachten. Überlege dir, welche Forderungen, wie z.B. Gesundheit und Sicherheit, ein absolutes Nein sind und welche deinem Kind die Macht geben könnten, seine eigene Entscheidung zu treffen, z.B. unpassende Kleidung zu tragen.
  • Achte auf Anzeichen von Überforderung. Größere Probleme, wie ein Umbruch in der Familie, ein übervoller Terminkalender oder Spannungen zwischen dir und deinem Partner, können Wutanfälle auslösen.
  • Problemlösung. Achte auf Muster und überlege, wie du die Auslöser angehen kannst. Wenn dein Kind bei jeder Spielverabredung einen Wutanfall zu bekommen scheint, kannst du vielleicht Spiele finden, die keine Probleme verursachen, oder du kannst den Besucher und dein Kind in eine Aktivität mit enger Aufsicht einbinden (z.B. ein Bastel- oder Kochprojekt mit dir).
  • Schaffe eine feste Routine. Kinder jeden Alters fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was sie erwartet. Wenn du Zeiten für Snacks, Lesen, Spielen und Schlafenszeitrituale festlegst, kann das viel dazu beitragen, dass er sich sicher fühlt.

Wann sollte ich den Arzt wegen der Wutanfälle meines Kindes anrufen?

Ruf den Arzt an, wenn dein Vorschulkind:

  • Ist die Anzahl der Wutanfälle oder die Intensität der Wutanfälle plötzlich gestiegen
  • Sie den Atem anhält, bis sie ohnmächtig wird
  • Sie hat Wutausbrüche, die immer schlimmer werden
  • Sie tut sich selbst oder anderen weh
  • Sie hat Wutanfälle mit aggressivem, gewalttätigem Verhalten (Werfen und Zerbrechen von Gegenständen, Schlagen, Treten)
  • Ist sehr streitsüchtig und unkooperativ
  • Wutausbrüche, die länger als 25 Minuten dauern
  • Ist nicht in der Lage, zwischen den Wutanfällen zu normalem Verhalten zurückzukehren
  • Es hat auch Nachtträume, rückläufiges Verhalten (z.B. Rückgängigmachung des Toilettentrainings) oder andere Verhaltensprobleme

Der Arzt oder die Ärztin deines Kindes kann sicherstellen, dass keine körperliche oder psychische Krankheit für das Problem verantwortlich ist, und Vorschläge für den Umgang mit den Wutausbrüchen machen.

Grundlegende Erkrankungen wie ADHS, Angstzustände, Depressionen, Autismus und sensorische Verarbeitungsprobleme können zu Wutausbrüchen beitragen. Das Gleiche gilt für Hör- oder Sehprobleme, Lernunterschiede (entweder Behinderungen oder Begabungen) oder Sprachverzögerungen.

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