Im täglichen Leben lauern viele Gefahren. Als Eltern ist es wichtig, dass du angemessen vorsichtig bist, damit deine Kinder sicher sind. Du überquerst eine belebte Straße? Halte ihre Hand. Du kaufst einen neuen Schrank? Verankere ihn an der Wand. Du erlaubst ihnen, ins Internet zu gehen? Übe richtige Online-Sicherheit. Wenn es um größere Probleme geht, neigen viele Eltern dazu, sehr unwahrscheinlichen Bedrohungen wie einer Entführung zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, während dringendere Probleme wie Mobbing nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Die Website A Secure Life hat vor kurzem Hunderte von Eltern im ganzen Land befragt, welche Ängste sie am meisten um ihre Kinder haben. Während berechtigte Ängste ganz oben auf der Liste standen (das Kind wird bei einem Unfall verletzt; jemand wird ihr Kind verletzen oder angreifen; ihre Kinder fühlen sich in der Welt nicht sicher), nannten 14 Prozent Entführung oder Kidnapping als ihre größte Angst. Entführung ist zwar unbestreitbar eine abscheuliche Tat, die in diesem Land vorkommt, aber in Wirklichkeit kommt sie so selten vor, dass es keinen Grund gibt, warum Eltern das Gefühl haben sollten, dass dies eine ständige Bedrohung für das Leben ihres Kindes darstellt. Es ist wichtig, besorgt und wachsam zu sein, aber die Zahlen zeigen deutlich, dass es viel wichtigere Sorgen gibt.

Im Jahr 2011 wurden in den USA etwa 105 Kinder entführt. Es wäre zwar ideal, wenn diese Zahl bei Null liegen würde, aber wenn man bedenkt, dass es im selben Jahr 74 Millionen Kinder im Land gab, waren nur etwa 0,0000000001417 Prozent der Kinder von Entführungen betroffen.

Statistisch gesehen ist es sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, dass dein Kind entführt wird. Aber die genauen Zahlen werden von den Behörden, die sie veröffentlichen, oft nicht klar genug dargestellt. In vielen Berichten werden Zahlen über vermisste Kinder oder Kinder, die von Verwandten entführt wurden, in einen Topf geworfen, wodurch ein verzerrtes Bild der modernen “Entführungen” entsteht.

In anderen Fällen sind diese Zahlen gar nicht modern. In einem Bericht der NBC Nightly News vom Januar 2015 erfuhren die Zuschauer zum Beispiel, dass laut der neuesten FBI-Studie in einem Jahr mehr als 58.000 Kinder von Nicht-Verwandten entführt worden waren. Das Problem war nur, dass die “neuesten” Daten zwischen 1997 und 1999 in einer Telefonumfrage erhoben wurden und aus einer Zeit stammten, in der es noch keine Handys und Amber Alerts gab.

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Dieser übermäßige Rückgriff auf alte, ungenaue Daten und eine vage Kategorisierung, bei der mehrere Probleme miteinander vermischt werden, trägt dazu bei, dass die falsche Befürchtung entsteht, Entführungen seien ein viel häufigeres, alltägliches Phänomen, als es tatsächlich der Fall ist. Natürlich kann man aus dieser Sorge wichtige Lektionen in Sachen Sicherheit lernen, z. B. wie man seinem Kind beibringt, mit Fremden zu interagieren und auf seine Umgebung zu achten. Aber die Angst sollte nicht so übermächtig sein.

Stattdessen lohnt es sich, sich mehr Gedanken über Mobbing zu machen. A Secure Life fand heraus, dass Mobbing die am wenigsten häufig genannte Angst in der Umfrage war. Nur acht Prozent der Eltern hielten es für ein wichtiges Thema, eine Zahl, die tragischerweise nicht mit der Häufigkeit von Mobbing übereinstimmt. Achtundzwanzig Prozent der Schüler/innen der Klassen sechs bis 12 haben Mobbing erlebt und 70,6 Prozent der Schüler/innen sagen, dass sie Zeuge von Mobbing in der Schule geworden sind.

Entführungen gibt es wirklich, und sie sind eine schreckliche Vorstellung. Aber es kann sein, dass immer mehr Eltern in den USA ihre Energie auf ein seltenes Phänomen verwenden, obwohl es viel häufiger vorkommt, dass ihr Kind entführt wird, ohne dass sie davon wissen.

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